Charell Revuen

Eric Charell

Die Pariser und Wiener Operette waren nicht mehr aktuell, als in den “roaring Golden 20/30th” die BERLINER  Operette für frischen Wind sorgte. Natürlich denkt man dabei zunächst an den Ur-Berliner Komponisten PAUL LINCKE und seiner spritzigen Musik und den Song “die Berliner Luft” mit seiner Operette FRAU LUNA welche 1936 zu seinem -“70.”-Geburtstag eine sensationelle Neuaufführung u. a. mit Walter JANKUHN als Prinz Sternschnuppe erlebte. >(extra Kapitel).Die FRAU LUNA-Aufführung im Admiralspalast war aber eine der letzten ganz  großen Aufgebote der Berliner Operetten-Herrlichkeit (400 mal ausverkauft)!

Die verrückteste Zeit der Berliner Operette begann allerdings 1924 – im neuen Glanz des “Großen Schauspielhauses” – mit seinen gigantischen Ausmaßen für 3300 Sitzplätze und großem 250 Mann Orchester.

Es wurde von den frech-frivolen REVUE Inszenierungen des Eric CHARELL dominiert, der den oft verkitschten Inszenierugen bekananter Operetten der alten Meister mit seinen Revue-Girls und seiner spektakulär industriealisierten Operettenproduktion frisches Blut einhauchte – zum Teil auch gegen den erklärten Willen der Komponisten  (Text-Änderungen, + Schlager + Witze  etc.). Der studierte Tänzer ERIC CHARELL war homosexuell und wurde von den Theater Päpsten “Max Rheinhardt + Gustaf Gründgens”
an das Große Schauspielhaus engagiert- ( heutiger Friedrich-stadt-Palast) – wo er sofort exklusiv das beste Zugpferd, die einzigartige Operetten-Diva Fritzi MASSARY mit ins Boot holte. Bis 1930 war die MASSARY als auch ihr Lieblings-Tenor Walter JANKUHN regelmäßig Mitglied im CHARELL Ensemble. Weitere Protagonisten diese Truppe waren auch der Komiker “Max Hansen, Sigfried Arno, Camilla Spira” und alles was Rang und Namen in der Berliner Musik Szene hatte, um die Konkurrenz (Admiralspalast, Metropol etc.) alt aussehen zu lassen.

Schon 1913 hatte Max Rheinhardt CHARELL endeckt und ihn 1923 für das Gastspiel THE MIRACLE nach N. Y. verpflichtet. Als Folge dieser fruchtbaren Zusammenarbeit war die Verpflichtung von CHARELL für’s Gr. Schauspielhaus nur logisch. Damit begann die Blütezeit der Berliner Operette,
die ihren Höhepunkt nach Hitlers Machtergreifung langsam überschritt. Epochal und weltweites Vorbild für spätere Operetten Verfilmungen und Musicals in CHARELL Manier – sind die  historisch bedeutsamen Operetten-Inszenierungen:
“Im Weissen Rössl”, sowie “Die Lustige Witwe ” und
” Madame Pompadour”. (alle drei mit Walter JANKUHN als
1. Tenor > siehe extra Kapitel). Aber auch alle übrigen CHARELL Operetteninszenierungen wurden mit großer Begeisterung aufgenommen:

 

 

 

 

 

 

 

  • 1924 – An Alle
  • 1925/26 – Für Dich (mit “Walter JANKUHN)
  • 1926 – Von Mund zu Mund
  • 1927 – Mikado (mit ” Walter JANKUHN)
  • 1927 – Wie einst im Mai
  • 1927 – Madame Pompadour (mit “W. JANKUHN / MASSARY)
  • 1928 – Die Lustige Witwe (mit “W. JANKUHN/ MASSARY)
  • 1928 – Dreimäderlhaus (mit W. JANKUHN)
  • 1928 – Casanova
  • 1928 – Drei Musketiere
  • 1930 – Weisses Rössl (mit W. JANKUHN)                                                                                                                                                                                                                               Neben den 3 Welterfolgen (fett markiert) siehe > jeweils eigene Kapitel, hat es noch weitere be-merkenswerte CHARELL Revuen mit Walter JANKUHN in Berlin am Metropol + Gr. Schauspielhaus gegeben.  CHARELLs  neuartige Spielweise begann mit Revue-Theater und entwickelt sich lang- sam zur Operette weiter.                 CHARELL begann sein Revue-Operetten Experiment titelgerecht mit der “Aufforderung”AN ALLE”

Dann folgten bereits zwei echte Operetten-Revuen. Zunächst  “FÜR DICH” mit Irene AMBRUS + Walter JANKUHN (Foto >). Die Operette “FÜR DICH” war quasi der Vorläufer vom “WEISSEN RÖSSL” – auch mit der “Tiroler Gruppe”, knisternder Erotik auf einer Hochzeitsreise etc. Die NZ (H. Schulze) schreibt: “….in diesen Kranz von Erscheinungen sind Solisten eingebaut, manche von hohem Rang. Da ist Walter Jankuhn, ein sympathischer schlanker eleganter Tenor, der die “Benatzkyschen” Chansons gut pointiert zu bringen weiß. Seine blutjunge Partnerin Irene Ambrus graziös und leicht, kommt stimmlich wie körperlich nicht in dem Riesenhaus zur Geltung…..”

MIKADO

Darauf folgend dann der MIKADO mit Rita GEORG + Walter JANKUHN als 1. Tenor. Weiter Protagonisten im MIKADO waren Charakter Typen wie “Max Pallenberg, W. Bendow, Lotte Werkmeister” u.v.m. Die BZ (Erich Urban) schrieb: ” ein MIKADO a la mode, a la americain, a la CHARELL , Aus dem Orchester steigt die Musik auf, die Sullivan in Jazz-Seligkeit fortreißt ….. befruchtet von der glühenden Phantasie von Ernst STERN (Ausstattung), wird der Übergang gefunden zu den Erscheinungen des Jahres 1927 (Crash). Regiefülle und neue Gesichtswinkel –  das ist CHARELL mit MIKADO geglückt ……Ich bekenne, das man die alte Operette nur so spielen darf – indem man ihr die Seele nimmt und sie in einen neuen springlebendigen Körper setzt.

Operette war damals, als es weder TV noch Popkonzerte gab, das einzige Massen-Enterainment, um die damals ausschließlich privaten “Theater-Kassen” zu füllen, natürlich sehr oft jüdische (insb. Veranstalter: Gebr. Rotter/ aber auch CHARELL, viele Komponisten + Operetten-Stars, wie auch die MASSARY waren Juden). Für die NAZIS war dies eine “Juden-Lobby” und ein Dorn im Auge ! Nach der Machtergreifung der NAZIS 1933 wurde diese sog. “transatlantische Operette” (Negermusik), von den NAZIS als dekadenter Kitsch gebranntmarkt (+ durch organisierten Pöbel gestört).  …..obwohl Herr “Hitler” doch ein ausgewiesener Lehar/ Operetten-Fan war ?! Dennoch, diese sog. “transatlantische Operette” – die sich am Broadway orientierte anstatt deutsch-nationalem Starrsinn, wurde der deutsche Exportschlager in den USA + Europa.

DAS DREIMÄDERLHAUS “…….. von Schubert war ein ganz anderer anspruchsvoller Stoff, deshalb verpflichtete CHARELL den ausgezeichneten Theater Regisseur und Schauspieler “Julius BRANDT “der dieses Singspiel in Szene gesetzt hat. Mit Alfred BRAUN als –Franz Schubert – und  Walter JANKUHN als –Baron Schober – sowie Erika von THELLMANN als Hannerl. Weitere prominente Protagonisten: “Trude Hesterberg, Wilh. Bendow, Paul Morgan”. CHARELL konnte also auch klassisch, mit operntauglichem Gesang und nicht nur Revue + frivole Komik – mit solch traditionsreicher Kunst konnten alle gut Leben – selbst die Hüter hehrer deutscher Kunst-Ansprüche, wie die Theater Päpste : “Rheinhardt bzw. Gründgens”.

 

 

Julius BRANDT der beim “Dreimäderl-haus” die Regie übernehmen durfte, kannte Walter JANKUHN bereits aus gemeinsamer Arbeit in Breslau und hielt große Stücke auf seinen Tenorist wie folgendes Statement zeigt > (Presse-Aauszug) :

Riegie “Dreimäderlhaus” Julius Brandt aus Breslau

Operetten Macher CHARELL hat zeit-weise neben dem Gr. Schauspielhaus auch noch das METROPOL Theater gepachtet und so den Berliner Operetten- Markt dominiert. Dort hat er die ” Die Lustige Witwe, Paganini + den Bettelstudent” etc. zur Aufführung gebracht. Anfang der 30er als der Tonfilm begann verpflichtete UFA Chef “H. PROMMER” dann folgerichtig Herrn CHARELL für den später erfolgrei-chen Operettenfilm “Der Kongress tanzt”.

1933 als Hitlers Machtübernahme be-gann, setzte sich CHARELL (selber ho-mosexueller Jude) wegen der Judenver-folgung an den Broadway ab und ver-suchte dort, an seine Erfolge anzuknüpfen – mit mäßigem Erfolg ! Nach dem Krieg kam er nach München zurück und verfilmte 1952 das ” Weisse Rössl ” mit dem damals jungen Joh. HEESTERS. (Der 1. Tenorist aus den CHARELL-Revuen: “Walter JANKUHN” verstarb bereits 1953, schwer herzkrank in Berlin.).

Nachfolgend eine TV Dokumentation (youtube) mit der Operettendiva “Fritzi MASSARY” (bevor Sie 1969 in Berverly Hills/Los Angeles verstarb) zu ihrer Karriere am Metropol + bei CHARELL:

 

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