Zigeunerblut /34

 

Walter Jankuhn – Tonfilm “Zigeunerblut”

Der Film “Zigeunerblut”, 1934 war für “Walter JANKUHN” nochmal die Möglich-keit in einem Musikfilm seine Gesangs-qualitäten als Spieltenor zur Geltung zu bringen – obwohl seine Priorität schon 1933 seiner neuen Aufgabe als Theaterdirektor galt (Th. Nollendorfplatz). > extra Kapitel). Sicherlich erinnerten sich der Produzent und die Regie bei der Besetzung mit Walter JANKUHN an die Erfolge in seiner Paraderolle in “GRÄFIN MARIZA” auf vielen Bühnen, überall im Reich.

 

Die Spielleitung zum Film, nach dem Drehbuch von “Dr. Max Wallner” und “F. D Andam” hatte “Charles KLEIN”.  Musik “Will MEISEL”. Der ABC Film im TOBIS-Klangfilm-Verfahren wurde vom “Europa-Film-Verleih” vertrieben: Sowohl in Deutschland als auch in den USA (“Gypsy Blood“) und anderen europäischen Ländern (Sprachen) – mit Untertiteln. Der Film wurde kurze Zeit später in “Ungarmädel” umbenannt. Grund war die verstärkt aufkommende NS-Rassenpolitik mit neuen Verordnungen, Restriktionen bis hin zu Androhungen.

Eric Ode / Walter Jankuhn

Walter JANKUHN spielte den Zigeuner -Primas, neben weiteren prominenten Schauspielern, wie insbesondere “Adele SANDROCK, Margit SYMO, Eric ODE, Georg ALEXANDER und Ralph Arthur ROBERTS u.v.m.  Der Film profitierte
vor allem von seinen excellenten Schau-spielern und den temperamentvollen Gesangseinlagen des Tenorist “Walter JANKUHN”  mit dem Film-Titelsong “Zigeunerblut” (Musik Will Meisel, Text: Peter Schaeffers) – wie dem Presse Echo zu entnehmen war.

 Der Stoff selbst knüpfte an die tradierte Operettenseligkeit an, dazu gehörten feurige Zigeunerklänge und Tänze. Obwohl diese Kultur zeitlos ist, entsprach sie natürlich nicht dem aufkommenden Zeitgeschmack und Frauenbild. Ganz zu schweigen von der NAZI-Rassenpolitik, die sich auch gegen “Zigeuner bzw. Sintis + Roma” richtete. Zum Glück war der Film nicht allein für`s deutsche Publikum gedreht, sondern auch für das Ausland und die USA produziert worden. Der Anfangsboom von Musik- und Operettenfilmen verlagerte sich jetzt stärker zu Spiel- und Unterhaltungsfilmen, wie “Alte Kameraden/33“, “King Kong/33“, “WilhelmTell/34“, “Der Kaiser von Kalifornien/36” oder das “Testament des Dr. Mabuse/33” (von Fritz Lang) – der auch verboten wurde! In Deutschland hatten inzwischen Filme Vorrang, die der PROPAGANDA des NS-Regimes zumindest nicht entgegenstanden. Minister “Göbbels” war ein begeisterter Filmliebhaber und ließ es sich nicht nehmen seinen Einfluss bei “deutschen Produktionen” entsprechend den KDF-Dogmen geltend zu machen. Allerdings war sein Verhalten für die Dollar-schweren US- Filminvestoren bewusst abschreckend (obwohl das meist die einzigen Privat-Investoren waren, die wirklich Geld hatten) !?

Insgesamt also nicht die besten Voraussetzungen für den Film “Zigeunerblut“, der genüsslich sentimentale Zigeuner-Klischees bediente anstatt dem NS-Regime zu gefallen. Der Erfolg des Films wurde zumindest in Deutschland deshalb eher gedrosselt und lief im fremdsprachigen Ausland mit Untertiteln. In seiner Zielgruppe folkloristischer Musikliebhaber konnte der Film aber begeistern und sorgte für regen Andrang (s. Abb).

Die gut bezahlte  Kritiker-Lobby (Börsen Courier) äußerte sich dagegen über diesen ohne KDF Förderung “frei finanzierten” Film wenig begeistert, konnte aber dennoch nicht verhehlen, dass der Film mit ausgesucht guten Schauspielern besetzt ist. Dabei wurde aber niemand hervorgehoben, weil dies die Rollen angeblich nicht hergaben. Eine Kritik daran, dass der Film in “Das Ungarmädel” umbenannt werden
musste, hat man allerdings nie gehört bzw. gelesen!

Im TV-Kultur-Forum (Internet) kann man erfahren, dass im Nachlass der ABC-Film Korrespondenz Briefe gefunden wurden die bestätigen, dass der Film verboten werden sollte, sofern nicht der Name “Zigeuner” entfernt wird. Also entschied man sich kurzfristig für die Umbenennung in “Ungarmädel”!? Obwohl der Film offiziell nicht aufzufinden ist, kursieren Gerüchte, wonach der Film in Sammler-Kreisen vorhanden sein soll? Wer weiß mehr …???

Walter Jankuhn – Tonfilm “Zigeunerblut”

“Walter JANKUHN” hat sich jedenfalls damals die
Frage stellen müssen: “liegt meine Zukunft noch beim Film als fremdbestimmter Filmschauspieler oder habe ich mehr Spielraum mit meiner Profession: “Musik und Gesang”, insbesondere da sich das Genre “Operette bzw. Musik-Theater” wieder stärker zurück auf die Bühne verlagerte – wo das Publikum die Musik LIVE erleben kann (Ein Vorteil, der dem Film immer verwehrt ist). Die Antwort des Kammersängers mit klassischer Opernausbildung konnte da nur lauten: “Mein Zuhause ist die Musik – und das Theater” – auch wenn dort neue Töne angeschlagen werden ( wie z. B. im Musical) ? Fakt bleibt, “ZIGEUNERBLUT” war Walter Jankuhn’s  letzter Film – obwohl ihm als bekannter Frauenschwarm – der Weg als Flimpartner weiter offen stand. Die Übernahme der Direktion am Berliner Nollendorf-Theater 1933 (> Kapitel Regie), bestätigte aber seine Intention – lieber eigenverantwortlich Theater zu machen. Vielleicht eine Gegenreaktion zu den immer stärker von der NS-Propaganda bestimmten deutschen Filmkultur jener Zeit. Die NS-Filmzensur führte zur Konzentration der deutschen Filmindustrie in der UFA – und dem Aussterben unabhängiger Filmemacher. Zwischen 1933 und 1935 gab es 114 Filmproduktionen in Deutschland. 1939 waren es noch 32 und der Export deutscher Filme ging von ca. 45 % auf 7 % zurück.

Anmerkung der Redaktion: “Zigeunermusik” hat schon immer alle Genres der Musik inspiriert, daran wird keine Diktatur jemals etwas ändern können. Es ist auch paradox, dass die Bezeichnung “Zigeuner” in Verruf gekommen ist – obwohl die Zigeunerkultur und insbesondere die Zigeuner-Musik nur positiv besetzt war und ist. Es wäre doch ein Frevel, würde man z. B. den Zigeunerbaron von Johann Strauss plötzlich in Sinti oder Roma Baron umbenennen!! Ungeachtet jeden Vergleichs, als “Tribut” an Zigeunermusik jeder Gattung und einen ihrer genialsten Rock-Interpreten – hier der tönende Beweis: > das youtube-Video “Gypsy Eyes” – von Jimmy Hendrix: (link)

https://www.youtube.com/watch?v=soFOQWB2Gqs

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