Provinz-Theater

 

 … Außer in Berlin, gab es im ganzen Reich und fast allen Provinz-Hauptstädten nicht nur schöne, sondern auch künstlerisch herausragende Theater und Mimen mit einem treuen begeisterten Lokal-Publikum! Fast alle Theatergrößen sind zuerst in der Provinz groß geworden. So auch “Walter JANKUHN”. Auch ihn trieb es im laufe seiner Karriere immer wieder an die Orte seines Aufstiegs zurück Er begann in Berlin dann folgten 4 Jahre Mellini-Hannover,… Hbg. + Breslau etc.In der Provinz war es für Walter JANKUHN oft leichter sich auf “Kunst” zu konzentrieren, als in Berlin wo “Promikult, Spektakel, und der schöne Schein” sowie die vorhandene Konkurrenz und Geld-Lobby (der Theater + Produzenten: Gebr. Rotter, Haller usw.) vorherrschten. 1929 gab es eine eine groß angelegte Umfrage zur Operetten-Kultur. Ergebnis war,  viele Fans des klassischen Singspiels beklagten das Nachlassen der künstlerischen Qualität der Operette. Als Ursache wurde das Aufkommen der neuen Medien (Schallplatte, Radio, Film), sowie die Großvermarktung der Revueoperetten ausgemacht (ohne jede politische Wertung). Für den Tenor “Walter JANKUHN” war es jedenfalls immer ein “Fest”, auch in den lokalen Theatern mit neuen Ensembles, Regisseuren, unverbrauchten Gesangsgrößen und neuem Repertoire “künstlerische Herausforderungen” zu suchen. “Walter Jankuhn’s” Rollenspektrum und Gastspiel-Roulett, ließ sich nur mit der großen Spielfreude und seinem verschwenderischem Umgang mit den Ressourcen erklären. In der Provinz war es möglich mit neuen Stücken zu experimentieren – in Berlin musste er sich primär reproduzieren – immer wieder auf höchstem Niveau. Die Erfolge in der Provinz waren oft überschwenglicher, überzeugender und nachhaltiger, als die des Massen-Publikums im schnelllebigen Berlin. Eine seiner Paraderollen war z. B. der “Tassilo” in der Operette: “Gräfin Mariza“, mit der Walter JANKUHN zuerst in Breslau + Hannover groß Furore machte, bevor es eine seiner Vorziegerollen wurde:

  • Am  18.5.26 nach dem Gastspiel im MELLINI/Hannover schrieb die NDZ:

Die Wiederaufführung der köstlichen “Gräfin Mariza” bot Walter JANKUHN” als Tassilo am Samstagabend nach langer Pause Gelegenheit, sich von seiner wachsenden Beliebtheit beim hannoverschen Pub-likum zu überzeugen. Schon sein erster Auftritt löste den begeisterten Beifall des nahezu ausverkauften Hauses, der sich nach jedem folgenden Bühnenbilde noch steigerte, aus. Zum Schluss verwandelte sich die Bühne, durch die sich auftürmenden Blumenspenden in ein botanisches Museum; selbst der eiserne Vorhang konnte den Beifallssturm nicht zurückdämmen, immer und immer wieder mussten “Walter Jankuhn” und “Mizzi Marr-Freiberg” hervorkommen, und den überschäumenden Dank der zahlreichen Verehrer entgegennehmen…

1912 / HAMBURG erste Hauptrollen

 

 

 

 

 

Foto: Das Hamburger Operettenhaus mit dem Singspiel:  “Was kost’ Hamburg” und es folgte die Revue “Rund um die Alster” vom Komponisten RALPH ARTHUR ROBERTS, der den Welterfolg “Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins” komponiert hat. Dieser Operettentitel wurde später sehr erfolgreich mit HANS ALBERS verfilmt. Die Ursache dafür war aber WALTER JANKUHN der ROBERTS zu dieser Komposition gedrängt hatte und sie als erster mit großem Erfolg auf der Bühne populär machte:

  • Wir zitieren aus dem TAGESSPIEGEL:

……….”Dieser Zufall hieß WALTER JANKUHN. Diesem damals schon beliebten Operettentenor war es zuzuschreiben, daß sich ROBERTS das Reeperbahnlied einfallen ließ. Roberts erzählte: Die Revue “Rund um die Alster” stand. Die ersten Aufführungen wurden mit jubelndem Beifall aufgenommen. Alle waren zufrieden, Publikum, Presse, Direktion und am meisten der Kassierer! Nur einer war unzufrieden, Operettentenor WALTER JANKUHN …………. er bat mich immer und immer wieder, für Ihn doch einen echten “Matrosensong” zu schreiben. Schließlich hatte er mich breitgeschlagen, spätabends …….. ich sah auf das fröhliche nächtliche Treiben der Reeperbahn, es war inzwischen halbeins … Und da summte es in mir…..und schon saß ich am Klavier und improvisierte die ersten Takte …”Auf der Reeperbahn Nachts um halb eins, ob …

Der youtube-Ausschnitt ist aus der späteren Verfilmung mit der “Hans Albers” so berühmt geworden ist:

MELLINI – Hannover

Das MELLINI Theater in Hannover, war in den 1910/20er Jahren so etwas wie die 2. Heimat von Walter Jankuhn. Er war hier nicht nur längere Zeit engagiert, sondern auch während seiner Berliner Zeit immer mal wieder Gast in Hannover. JANKUHN war ein Publikumsliebling, wie z.B. in der Operette MUCKI mit JANKUHN in der Rolle des Graf Tibor mit der jungen “Brigitte MIRAals Mucki, dem Zigeunermädel.  Nach seiner Wiederkehr aus “Amerika” war sein Erster Auftritt in Deutschland natürlich erstmal in Hannover mit der thematisch passenden Operette “Vetter aus Dingsda“. Die LZ-Presse schrieb am 3.8.24 zu seinem Gastspiel im MELLINI:

“… des Mellini-Theaters langjähriger Tenorist hat sich in den letzten Jahren für seine hiesigen Freunde und Freun-dinnen ziemlich rar gemacht. Mit Gewalt zog es JANKUHN über den großen Teich, wohin ihn der Zauber des Dollars und sonstiger überseeischer Münzsorten lockte. Nachdem dort offenbar “Fortuna” ihr Füllhorn in reicher Fülle über ihn ausschüttete, hat er sich wieder der Stätten seiner Wirksamkeit in Hannover erinnert ………. Für die ersten Vorstellungen hat es denn auch sofort einen Kassensturm gegeben und zur ersten Vorstellung am Donnerstag war das MELLINI Theater nicht nur in den Sitzplätzen, sondern auch in allen verfügbaren Stehplätzen völlig ausverkauft … Mit ganzem Herzen und vollem Eifer zeigte er sich bei der Sache, sodaß er mit der Rolle emporwuchs und sein Spiel und Gesang die Mitwirkenden mit fortriß … Nach dem zweiten Akt gab es für die Hauptbeteiligten Kränze, Blumen und sonstige Spenden in Hülle und Fülle, wobei Walter JANKUHN natürlich am besten abgeschnitten hat …”

 

 

Nürnberg-Fürth 1935-37- Stadttheater

Allein schon wegen der grandiosen Partnerin “Irmgard REGELING” lohnte sich für “Walter JANKUHN” ein Enga-gement ans Fürther Stadttheater.

Hier konnte “Walter JANKUHN” in ca.
2 Jahren in mehr als 15 verschiedenen Operetten mitwirken (im Vergleich dazu in Berlin lief das “Weiße Rössl” kontinu-ierlich über 1 Jahr lang). In der sog. Provinz konnte Walter Jankuhn also immer wieder Kreativität auftanken, während es bei den Berliner Vorstellungen darum ging bei jeder Wiederholung noch steigerungsfähig zu bleiben. Dagegen umfasste das Repertoire in knapp 2 Jahren am Führter Theater i. d. Saison 34/35 folgende Vorstellungen – von denen viele eine Premieren waren: Ekterina /Don Cesar/ Glückliche Reise/Die Winzerkönigin/Mädel aus Wien/Der Herzog von Mirenza/ Schwarze Husaren/Die Venus von Lido/Schach dem König/Die Fledermaus/Vetter aus Dingsda/Dorothee/Der Zigeunerbaron/Die Weltmeisterin. 1937 folgten dann noch die erfolgreiche “Frau Luna” und “Hans und Hanna” (siehe oben).

FRANKFURT  a. M./Opernhaus

Die “Alte Oper” in Frankfurt war damals noch nicht alt, aber schon einer der schönsten Vorzeigetempel für Kunst und Kultur erster Güte. Die Oper Frankfurt war nicht minder kunstbeflissen als die Theater in Berlin – aber abseits vom Pomp der verrückten Metropole Berlin mit seinen überkandidelten Stars! Walter JANKUHN dagegen hat gerne mit Künstlern des Frankfurter Ensembles zusammengearbeitet – als Sänger wie auch als Regisseur. Die Operette ADRIENNE v. Walter Wilh. Goetze spielte in der Zeit von: “August dem Starken + Moritz von Sachsen” und ist mit dem “Branntweinlied” bekannt geworden. 2010 hatte das Stück in neuer Inszenierung in Dresden Premiere.

Das Schuhmann Theater war ein anderes großes Frankfurter Theater jener Zeit an dem große Operette gemacht wurde (das Theater ist im 2. Weltkrieg zerstört worden). Dort brachte “Walter JANKUHN” die “Lustige Witwe” aus Berlin zur Aufführung, führte gleichzeitig “Regie” und sang seine Paraderolle den DANILO an der Seite von “Lilli CLAUS” (mit der er in Berlin später i. d. Operette CLIVIA zusammen auftrat).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BRESLAU / Schauspielhaus

Auch Breslau gehörte zu den bevorzugten Gastspielorten die der Tenorist Walter JANKUHN immer wieder nach seiner Amerika-Tournee ab 1924 bis in die 30er Jahre hinein mit großem Erfolg bespielt hat. Die schlesische Metropole Breslau hatte damals eine eigene sehr intensive Theaterkultur mit mehreren konkurrierenden Theatern. Trotz relativer Nähe zur Hauptstadt Berlin. Für Walter JANKUHN mit Sitz in Berlin ein idealer zusätzlicher zweiter Spielort – mit einem hervor-ragenden Ensemble – lange Zeit unter Spielleitung von Julius BRANDT, gleichzeitig einem viel beachteten Schauspieler im Deutschen Reich und Bühnen-Kollege.

Viel Beachtung fand in Breslau im Schauspielhaus das JANKUHN Gastspiel mit der orientalisch anmutenden neuen Operette BAJADERE von E. KALMAN.                 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BAJADERE – W. Jankuhn + Dancer

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