Histographie

Historische Aufführungen mit “KAMMERSÄNGER Walter Jankuhn” (1888-1953) fanden in den “Golden 20/30er Jahren” auf allen großen Berliner Operetten Bühnen statt, ins-besondere im Gr. Schauspielhaus / Admiralspalast + Metropol – sowohl mit dem Erfinder der Berliner Operette Paul LINCKE zum 70. Geburtstag und seiner Operette “Frau Luna” 1936,  wie auch mit der unvergleichlichen Operetten-Diva “Fritzi MASSARY” – seiner Partnerin in den legendären CHARELLRevuen, die ab Mitte  der 20er neue Maßstäbe setzten: wie  “Madame Pompadour + Lustige Witwe” Mit der 1930 produzierten Uraufführung des – “Weissen Rössl” , eroberten Berlin’s Charell-Revuen dann auch die Neue-Welt. Erster Tenor in allen drei Berliner Aufführungen war: “Walter JANKUHN”.  Diese CHARELL Inszenierungen waren Vorbild für spätere Musical- +  Filminszenierungen!

“Walter JANKUHN”, Deutschlands erster Tonfilm-Tenor debütierte beim Film paradoxer Weise allerdings zunächst im Stummfilm :  “LOTTE ” 1928. ( mit Stummfilm  Star ” Henny PORTEN “) –  wechselte  aber 1 Jahr später direkt zur Innovation “Tonfilm”. Die ersten Tonfilme waren damals allesamt Musikfilme. Kein Wunder also, das “JANKUHN” beim 1. offiziell komplett deutsch produzierten Tonfilm die männliche Hauptrolle “gesungen hat”. Dieser Kassenerfolg mit dem Titelschlager: “Dich hab ich geliebt” wurde 1929 ein Hit in der Schlagerparade! Nachdem “Walter Jankuhn” Berlin als Operetten-Tenor erobert hatte,  gelang ihm auch ein Feldzug in die Operettenmetropole Wien – 1930 überraschte er das Publikum bei der Welt-Uraufführung von Emmerich KALMAN`s neuer Operette   :     “Das Veilchen von Montmartre” – ein geschichtsträchtiger Erfolg (wie die Presse schrieb)! Das gleiche gilt auch für die Welt-Uraufführung der “KÜNECKE Operette”. “Glückliche Reise” von 1932 in Berlin, im Kurfürstendamm-Theater > (extra Kapitel).

Nur wenige wissen, dass “Walter JANKUHN” 1933
auch als Theaterdirektor (+ i.d. Hauptrolle als Juan) am “Theater Nollendorfplatz” mit der Welt-Uraufführung seiner Operettenproduktion “CLIVIA” einen riesigen Erfolg hatte und dem Komponisten “Nico DOSTAL” damit den Durch-bruch verschaffte ! Kaum bekannt ist auch, das “Walter JANKUHN” nach dem ersten Weltkrieg –1920-24 – der erste Tenor war, der mit der “VIENNA Operetta Comp.” wieder deutsches Liedgut nach Übersee brachte und in New York an der “METROPOLITAN” für ein ausverkauftes Haus sorgte. – Wie übrigens in der Folge auch an der “Brooklyn Akademie of Music”, dem “Irving Place Theatre” und in weiteren ca. 20 US-Städten und den führendenTheatern in Südamerika (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Mexiko etc.)

Wichtige Film + Tondokumente werden seit den Kriegswirren vermisst, insbesondere die Tonfilmaufnahmen – obwohl auch im Ausland + USA vertrieben – can somebody HELP ???

Im Nachkriegs-Deutschland gab’s dann erstmal andere Probleme als ausgerechnet
die jetzt “angestaubt” wirkende Operette! Weltbürger “JANKUHN” (ca. 5 Jahre in Amerika und einige Jahre quer durch Europa auf Tournee)  – war weder NAZI-Sympathisant noch NS-Opfer, wie die vielen verfolgten Künstler-Juden (darunter gute Kollegen). Er war einzig der Musik ergeben: “das war seine Welt – und sonst garnichts”… Natürlich war der Neubeginn 1945 im Trümmer-Berlin – ganz ohne jede Lobby, nichtmal der Kirche (Atheist) – einzig mit dem festen Glauben ans Publikum beschwerlich! Der charismatische Bühnenkünstler “Jankuhn” brauchte nie feste Engagements und war fast immer als Gast-Tenor unterwegs – nicht zuletzt als “sympathischer Liebling der Frauen” – wie die Presse/Fans + Kollegen immer wieder bestätigten! Aber nicht nur er war älter geworden – überhaupt war die große Zeit der Operette vorbei und Walter JANKUHN verstarb 1953 – zu früh für ein wirkliches Comeback! (die Neuinszenierung ” Glückliche Reise ” 1950 – unter Jankuhn’s Regie und persönlicher Mitwirkung, war sein letzter großer Erfolg.)

Berlin - der Bär tanzt

Walter Jankuhn mit Bär + Brüdern Karl + Otto

.Das alles geschah zu jener Zeit, als Berlin gerade der Mittelpunkt der Welt war – “hier tanzte der Bär” (z. B. die halbnackten Tiller-Girls oder das CARISE-Ballet mit Gast-Tenor “Walter JANKUHN” quer durch Europa). Derweil tönte es von “Hilde HILDEBRAND” (die seinerzeit eine feste Liaison mit W. Jankuhn  hatte) aus dem Volksempfänger: Du bist verrückt mein Kind, Du musst nach Berlin, wo die...” – Und sie kamen…, wie auch Jazz, Tango und der Inbegriff für Dekadenz “Josephine BAKER” mit dem Charleston. Das Publikum schnellte in Berlin bis auf 13000 Besucher pro Tag – allein die 3 größten Revuepaläste faßten über 7000 Zuschauer – davon allein 3500 Zuschauer bei Charells Revuen im Metropol. Es gab mehr Theater – als heute Kinos in Berlin (u. a. Admiralspalast, Wintergarten, Deutsche Oper, Komische Oper, Apollo usw.) – 1922 zählte man 127 registrierte Theater/Varietes.

Und das alles trotz oder wegen “Weimar, Inflation/Depression + schwarzem Freitag, der Machtergreifung der NAZIS, Schläger-trupps, Juden + Kommunistenverfolgung. Aber die Operette hatte Hochkonjunktur – ein ” Tanz auf dem Vulkan ” ………..  (Paul Lincke, Kalman, Benatzky, Leo Fall, Dostal, Kollo + selbst Lehar und O. Strauss zog’s von Wien nach Berlin) – alle Künstler suchten Berlin: “Rheinhardt + Gründgens, Jannings, Brecht, Tauber, Albers, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Zara Leander, Marika Röck, P. Wegner u.v.m.” – Berlin schwoll zur 3. größten Millionen-Metropole (4,3 Mio/ 1929) des Kontinents – ebenso wie die Geld-Lobby, Sex und Drogen. Die industrielle Revolution / preußisches Großmachtgetue trotz verlorenem 1. Weltkrieg / Vertreibung der Aristokratie /Massenarbeitslosigkeit und ein vergnügungswütiges Neureich-Bürgertum, inmitten von Armut und nie dagewesenen Umbrüchen in: “Politik/Wissenschaft/Technik” + “Kunst/Mode/Kultur” – alles ohne Beispiel (Einstein, Freund, Sauerbruch, Tucholsky, Kästner, Dix, R. Luxemburg, Zeppelin, Mercedes-Silberpfeil, 6-Tage-Rennen, die Olympiade ’36 und Typen wie Max Schmeling). Last not least eroberten gleichzeitig die damals NEUEN MEDIEN: “Schallplatte – Radio + Tonfilm” – die Massen, der neuen Klassen!

Die Widersprüchlichkeiten jener Zeit spiegeln sich am deutlichsten in den bejubelten Auftritten von “Jos. Baker 1927” – wie in diesem YOUTUBE Video-Link:

Bis schließlich am 1. 4. 1933 der plötzlich regimetreue SIMPLICISSIMUS mit Blick auf die moderne Revue-operette lakonisch titelte: “Die Jazzmusik wird heim-gegeigt” – der Walzer erwacht – der Neger entflieht! Spätestens ab 1940 nach Progromnacht und Bücher-verbrennung war jedem klar – auch Kunst wird vom NS-Regime vergewaltigt und missbraucht. 1944 mussten alle deutschen Theater geschlossen werden, die NS-Kapitulation stand bevor – gleichzeitig erlebte Berlin + die Welt den Niedergang einer einzigartigen Operettenkultur!

Sorry, aber wegen der vielen Werbe-Spam`s veröffentlichen wir nur in Ausnahmefällen Zuschriften, d.h. soweit sie inhaltlich weiterführend sind. DANKE.

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