CLIVIA Premiere/33

Im historischen Rückblick betrachtet, war die Welt-Uraufführung der Operette “CLIVIA” von Nico DOSTAL der große Druchbruch für diesen neuen Operetten-Komponist aus Österreich! Für Walter JANKUHN, war es das Glanzstück seiner Tätigkeit als Direktor des Nollendorf-Theater, Berlin – und gleichzeitig ein überragender Erfolg in der Hauptrolle als Tenor neben Lilli CLAUS. Dabei riskierte Walter JANKUHN viel Geld, denn er finanzierte die Produktion – es handelte sich nämlich keineswegs um eine subventionierte KDF-Produktion – wie fälschlich in manchen Medien verbreitet.

Der in Berlin noch wenig populäre Komponist “Nico DOSTAL” bemühte sich schon länger um einen wirklich durchschlagenden Operettenerfolg. Die Welturaufführung seiner neuen Operette CLIVIA fand unter seiner persönlichen Leitung statt. Die männliche Hauptrolle neben Partnerin “Lilli CLAUS ” (v. d. Staatsoper Wien),  übernahm Tenorist “Walter JANKUHN ” himself (als Juan). In weiteren prominenten Rollen agierten: “Erik ODE” mit “Lill SWEET” und der Schauspieler “Julius BRANDT “. Die Premiere am 23.12.1933 war ein überwältigendes Ereignis für das Nollendorf-Theater, den Direktor und Tenorist Walter JANKUHN und das ganze Ensemble – insbesondere aber den Komponisten Nico DOSTAL, der übrigens Lilli CLAUS später ehelichte. Die Presse schrieb K.S.:

Der Erfolg !! – so steht es in der gesamten Tagespresse. Mit Recht, denn Direktor “Walter Jankuhn” hat sein Ensemble, das nunmehr mit prächtiger Laune und unverminderter Spielfreudigkeit bereits munter der 50. Auf-führung entgegensteuert, so wundervoll in der Hand, daß man ihn ob dieser Erfolgsleistung aufrichtig beglückwünschen kann…”

Lilli Claus” faszinierte mit dem Lied: “ich bin verliebt“, “Lill Sweet” und
der  blutjunge “
Erik Ode” mußten Ihre Duette unermüdlich wiederholen. “Walter Jankuhn” sah nicht nur blendend aus, sein “Juan” war auch eine schauspielerische Leistung “

Diese seinerzeit moderne Operette setzte dem Zeitgeist entsprechend nicht mehr auf die alte Walzerseligkeit oder die pompöse Groß-Revue, sondern mehr Spiel-Operette mit Handlung und neuen Rhytmen. Kurzstory: Es drehte sich um einen revolutionären Putsch in Südamerika und die Geschichte einer berühmten Schauspielerin namens CLIVIA, die mit ihrem Filmteam und Sponsor genannt “Pottermann” in dem fiktiven Staat “Boliguay” einreisen will – um einen Film zu drehen. Wegen Einreiseverbot muss CLIVIA eine Papier-Ehe mit dem einheimischen “Juan Damigo” (Walter Jankuhn) schließen, in den Sie sich letztendlich verliebt … – Mir ist nicht ganz geheuer vor Deinem Abenteuer – heißt dementsprechend dann auch der Hauptschlager! (Texte: Charles AMBERG). Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Direktor JANKUHN dem bewährten “Heinz LINGEN” die Regie für diese Operette anvertraute.

Zu erwähnen wäre noch, das “Karl Anton” 1954 diesen Stoff, allerdings mit mäßigem Erfolg und natürlich anderer Besetzung (Jankuhn verstarb 1953) verfilmt hat.

Was viele nicht wissen: Herr Direktor JANKUHN” hatte keine Mühen und Investitionen gescheut, um mit dem Werk einen Volltreffer zu landen, aber als Mitgift vom Verlag eine Beteiligung von 20.000 Reichsmark verlangt. Daraufhin wurde zunächst der Verle-ger gewechselt um dafür die Haftung zu übernehmen. Leider blieb aber auch das bis heute ein leeres Versprechen!

Private Theater wurden vom NS- Regime nicht subventioniert – erst recht nicht wenn auch “Juden” an der Produktion beteiligt waren (wie hier die Herren Maregg + der Verleger “Wesly + Arent Oser”). Davon ließ sich Direktor “JANKUHN” dennoch nicht beirren. Es bestätigte sich aber:

Finanziell war der Erfolg ein Debakel. Zitat:

“mir blieb nur der künstlerische Erfolg, den finanziellen durften andere für sich verbuchen.”

Das war auch der Grund, warum “Walter JANKUHN” trotz seiner Erfolge  am Nollendorf-Theater, das Experiment als Direktor” nach weniger als 2 Jahren aufkündigte. Dazu kam wohl auch die böse Vorahnung auf eine Zuspitzung der politschen Situation im Deutschen Reich.  Jedenfalls verließ “Walter JANKUHN” einige Jahre später Berlin in Richtung Österreich. Nach dem Anschluss von Österreich an das Deutsche Reich, war es ohnehin möglich dort kaum behindert Theater zu spielen. Außerdem war es eine Gelegenheit etwa zu befürchtende Kriegsdrohungen, die besonders in der Hauptstadt Berlin spührbar sein würden, etwas auszuweichen.

“Walter JANKUHN” nutzte diesen Karriere-Ausflug in die österreichi-schen Berge aber auch, um nochmal zu heiraten. In Innsbruck schloss Walter JANKUHN 1938 die Ehe mit Tutti (Gertrud Ahrens) – Tänzerin von der CARISE-Revue aus Berlin. Er nahm also glücklich und frisch verheiratet gerne eine neue Verpflichtung ans Landestheater Innsbruck in der Doppelfunktion als Spielleiter und Tenorist an. Vielleicht war es ja der österreichische Komponist Nico DOSTAL der Lilli CLAUS ehelichte, Walter JANKUHN’s Partnerin aus der Operette CLIVIA, welcher auch ihn zu seiner neuen Liebes-Hochzeit in der idyllischen österreichischen Bergwelt motivierte?  (> Kapitel; Austria)

 

Leider gibt es keine Tonaufnahmen aus der CLIVIA Aufführung mit “Walter Jankuhn” und “Lilli Claus”. In Ermangelung dergleichen hier eine schöne Interpretation von Annelise ROTHENBERGER aus Youtube:

 

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