Dich hab ich geliebt /29

 

Walter Jankuhn + Mady Christians

 

1927/28 war das Jahr, in dem das neue Medium “Tonfilm” mit The Jazz Singers” (USA>EUR) (+ The singing Fool/1929) und dem farbigen Sänger “AL JOLSON” den Durchbruch schaffte. Er löste in den USA ein Tonfilmfieber aus, das bis heute andauert und den Stummfilm langsam zum Verstummen brachte! Zunächst aber rettete dieser 1. Tonfilm den Konzern WARNER Bros. vor dem nahenden Ruin!

Deutsche Technik war zwar sehr fortschrittlich – aber nach einem Fehlversuch bei der UFA wieder in der Schublade verschwunden. 1922 gab es Probevorführungen im TRI-ERGON-Verfahren und 1930 wurde die UFA- Tonfilm der größte Konkurrent des Tobis Tonfilmverfahrens welches damals auch die AAFA-Filmprodukton angewendet hat.  Das Problem waren damals stets die konkurrierenden bzw. fehlenden Tonfilm-Standards. Wieder einmal wurden deutsche Forschungsergebnisse von den Amerikanern aufgegriffen und zum Markterfolg weiterentwickelt. Der größte deutsche (Stumm) Filmkonzern UFA wollte dem plötzlichen und lärmenden Triumph der Amerikaner aber keinesfalls sprachlos zusehen (vergl. Der Spiegel/1950 – Kino, das große Traumgeschäft). Ihr Chef Erich PROMMER hatte die Operette  “Fledermaus” zunächst als ersten deutschen Tonfilm geplant, dies aber wegen der komplizierten Rechtslage verworfen, ebenso wie das Filmprojekt “Der Kongress tanzt” der wegen zu hoher Kosten vertagt wurde.

So wurde Walter JANKUHN Deutschlands erster Filmtenor und landete wie sein US-Vorreiter Al JOLSON  mit dem Titelsong im ersten deutschen Tonfim:  “Dich hab ich geliebt”1929  zusätzlich einen Radio/Schallplatten-Hit!  In Deutschland war die AAFA Filmproduktion diesmal schneller als die alte Filmtante UFA. Der erste UFA-Tonfilm: “Ich küsse ihre Hand Madame” (mit R. Tauber) – blieb zweiter Sieger und kam erst Wochen später durch das Ziel. Erst danach folgten dann noch heute bekannte und verfügbare Filme wie: “Der blaue Engel ” (mit M. Dietrich) und “Die Drei von der Tankstelle”, als auch der Nachzügler: “Der Kongress tanzt”, inszeniert von dem prominenten Operetten-Produzent Eric CHARELL. Diese populären UFA-Filme haben den Krieg überlebt und sind gerettet worden.  Fälschlicherweise wurde der ein oder andere dieser Flime von der Presse deshalb gerne mal als 1. dt. Tonfilm gefeiert, was aber nachweislich falsch ist. Die genannten Filme hatten entweder erst 1930 bzw. später Premiere oder sie waren nicht komplett deutsch produziert, vertont etc. “The winner is” = der erste wirklich deutsch produzierte Tonfilm:  “Dich hab ich geliebt”, wie der anerkannte Fachautor Dr. Hans BORGELT im Berlin-Forum/79 dokumentierte (mit “Mady CHRISTIANS” und “Walter JANKUHN” i.d. Hauptrollen). Die Premiere fand am 22.11.1929 gleichzeitig im CAPITOL und PRIMUS-Palast in Berlin statt – leider gilt der Film aber bislang als verschollen?

1930 waren von 183 produzierten Filmen erst “8” echte Tonfilme. Dieser 1. deutsche Tonfilm wurde auch in den USA + Europa vermarktet und war ungeachtet jeglicher Klassifizierung ein “Kassen- und Publikums-erfolg”. Der Titelsong: “Dich hab ich geliebt” (Interpret: Walter JANKUHN) , eroberte  1929 auf Anhieb die Charts der deutschen Musik-Hitparade!!

Filmkurier “Dich hab ich geliebt” Mady Christians + Walter Jankuhn

 

 

 

 

 

 

 

 

. Story: Ein Liebesdrama der Sängerin Lund, die heiratet, ihre Karriere aufgibt und sich um Tochter Mariechen kümmert. Die Ehe scheitert, findet aber nach erneuter Aufnahme der Karriere ein Happy-End und eine Wiedervereinigung…

Dieser 1. deutsche Tonfilm
und Kasssenerfolg erlebte am 24. 1. 30 auch in New York seine US-Premiere (because I loved you), wie gleichzeitig in vielen europäiischen Ländern. Die fremdsprachigen Film-Versionen wurden nicht synchronisiert, sondern einfach mit Untertiteln versehen, wie damals üblich. Leider ist bisher offiziell keine Kopie dieses historischen Films gefunden worden.

Neben den beiden Hauptdarstellern Christians + Jankuhn, waren: “Hans Stüwe, Carl Platen, Trude Berliner” weitere  Protagonisten – die alle bestens aus Stummfilm, Operette oder als Komiker bekannt waren. Das Manuskript schrieb “Walter Reisch”, Regie führte “Rudolf Walther-Fein”.

Trotz des Erfolges waren die Kritiker nicht zimperlich, insbesondere die Tonreproduktion und Tonregie (Hans Conradi) sowie der harte Filmschnitt (wie beim Stummfilm üblich) wurden kritisiert – ebenso wie die “adhoc” Musikunter-malungen in Dialogszenen. Aber es gab ja so gut wie kein Vorbild – keine Erfahrung! Das Publikum wurde dennoch von dem Film in den Bann gezogen,  es hat großzügig über alle Kinderkrankheiten hinweggeschaut.

Trotz dieser Zumutungen der neuen sog. “talkies”: also z.B. inkompatible Technik, Patentstreit, unterschiedliche Formate der diversen Filmkonzerne – mit doppeltem technischen Aufwand für alle Kinobetreiber (Ton von Schallplatte oder Lichtton, Tonspur etc.) –  war der Siegeszug des Tonfilms nicht zu stoppen. Von seinen Kritikern wurde der Tonfilm zunächst “als Tod der Kunst” beschimpft. “Charlie Chaplin” war als Ausdrucks- und Pantomime-Star noch bei seinem Film “Moderne Zeiten”/ 1936, ein eiserner Verfechter des Stummfilms (mit Musikuntermalung) und ein großer Verächter der sog. “talkies” (Tonfilme).

Aber lassen wir “Walter JANKUHN”- aus der Zunft der Operettensänger – der sich aber 1930 auch als FILM-Produzent versuchte, selbst sprechen: Hier sein Interview nach seinen ersten Tonfilmerfahrungen: > “die Hannover Presse berichtete” vor dem Gastspiel des Kammersängers im MELLINI-Theater:

Der 1. Deutsche Tonfilm entstand im Wettrennen mit den USA Filmstudios. Leider gilt der Film “Dich hab ich geliebt” als vermisst – anders als der Überraschungserfolg von AL JOLSON mit “The Jazz Singer”. Nachfolgend aus youtube einen interessanten Ausschnitt vom 1. Tonfilm ever mit Beurteilungen von US- Filmexperten:

 

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