Nollendorf Theater/33-34

Das 1864 in Berlin erbaute “Theater am Nollendorfplatz”,  hat eine abwechs-lungsreiche Geschichte. Nach dem Mauerfall entstand dort die Mega-Disko Monopol. Die Nazis machten vor Kriegsausbruch aus dem ehemaligen Operettentheater einen Kino Palast! Zuvor -, also den goldenen
20th erlangte das renommierte Operetten-Theater 1927 durch “Erwin PISCATOR” mit sozialkritischen Aufführungen mit “Tilla DURIEUX und “Bert BRECHT als Dramaturg Weltgeltung. Kurz danach übernahm “Walter JANKUHN” als Direktor das Nollendorf-Theater für über 1 Jahr und brachte dort neue Schaupiel- u. Operetten-Inszenierungen – auf eigene Kosten heraus! Er erntete  damit zwar reichlich künstlerische + Publikums-Erfolge – aber finanziell war es ein Desaster  (Crash/Inflation) – Budget-Lücken hat JANKUHN durch zusätzliche Außer-Haus-Gastspiele kompensiert (es war Wirtschaftskrise). Dennoch war die “Welt-Uraufführung” 1933 der Operette CLIVIA von “Nico DOSTAL” am Nollendorf-Theater 1933 ein Riesenerfolg insbesondere für Jankuhn in seiner Doppelfunktion als Theaterdirektor und 1. Tenor” > (siehe Kapitel/ Clivia).

 

 

 

 

 

Aber Direktor JANKUHN brachte nicht nur frische Operette ins Nollendorf-Theater, sondern auch anspruchsvolles Schauspiel. Er holte sich den damals noch jungen aufstrebenden Regisseur “Karl Heinz STROUX” mit ins Boot (der vom Generalintendant/Gr. Schauspielhaus “G. Gründgens” freigestellt wurde) . Sicherlich halfen dabei die guten Verbindungen von “Walter JANKUHN ” über seine damalige Lebensabschnittspartnerin “Hilde HILDEBRAND”, die eine feste Größe im “Gründgens ENSEMBLE” war und eine kurze Leitung zu Gründgens hatte.  Der junge Schauspieler K. H. STROUX verdiente sich als Jung-Regisseur weitere Sporen am Nollendorf-Theater bei Jankuhn. Dass K. H. STROUX in der späteren Bundesrepublik ein ganz großer Regisseur und Intendant am Schauspielhaus Düsseldorf (+ Gründgens Nachfolger) werden würde, ahnte er damals wohl selbst nicht. Ebenso wenig, wie die späte Ehrung und Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz der BRD. Jedenfalls ermöglichte es ihm Direktor JANKUHN 1933, am Nollendorf eine Regie-Premiere mit dem Schauspiel: “Der Staatskanzler in  ganz großer Besetzung. Sicherlich eine große Herausforderung für den jungen Regisseur K. H. STROUX, zumal seine Arbeit auch der neuerlichen KDF-Kulturpolitik keinerlei Angriffsfläche bieten sollte. In jener Zeit leider ein Kriterium – auch für den für das Ensemble verantwortlichen Direktor JANKUHN , der das Theater am Nollendorfplatz zunächst mit eigenen finanziellen Mitteln vor der totalen KDF Vereinnahmung bewahrt hat. Die Kritik bescheinigte dem Schauspiel uneingeschränktes Lob: “Eine vortreffliche Aufführung unter der Leitung des jungen Spielleiters “K. H. STROUX”. In der Hauptrolle mit dem berühmten “GOLEM” Filmdarsteller “Paul WEGENER“, ihm gebührte der Hauptverdienst in diesem Männerstück und natürlich zusammen mit dem Ausnahme-Schauspieler: “Theodor LOOS in der Rolle des “Fried. Wilhelm”… alles Figuren von Format, wie die Presse schrieb.

Gastspiel

Als Theater-Direktor hatte Walter JANKUHN natürlich noch andere Sorgen als nur die des künstlerischen Erfolgs. Es ging auch um das  Geldverdienen (wirtschaftl. lag Deutschland am Boden) und um den Schutz bzw. Existenzerhalt des Ensembles. (einige jüd. Kollegen waren ja schon getürmt). Direktor Walter JANKUHN verstand es immer wieder die NS-Kunstbanausen und Aparatschiks mit viel Charme und seiner Kompetenz vornehm ins Leere laufen zu lassen bzw. ihnen Kompromiss-Deals abzuringen, die sie nicht abschlagen konnten (z. B. beim Spielplan). Klappern gehört zum Handwerk und da vergibt man sich nichts, auch noch die Co-Spielleitung für das Erfolgs-Lustspiel “Krach um Jolanthe” mit zu übernehmen – obwohl man die Zeit lieber als Tenor in eine neue Operettenproduktion gesteckt hätte. Jedenfalls hatte Walter Jankuhn mit Nico Dostal’s neuer Operette CLIVIA die gewünschte “freie Hand” – und das war sein vorrangiges Ziel. Jeder Bühnenerfolg war aber immer ein Teamerfolg – keiner wusste das besser als Walter JANKUHN. (> Kapitel “CLIVIA”).

Das Lustspiel KRACH um JOLANTHE unter Spielleitung von “Walter JANKUHN + “Paul HAAG” mit dem Hauptdarsteller “Eugen REX, musste wegen der großen Nachfrage andauernd am Nollendorf-Theater wiederholt und neu angesetzt werden.

Zur Fortführung musste es schließlich als Gastspiel ans Kurfürstendamm-Theater verlegt werden – weil Direktor Jankuhn am Nollendorf bereits neue Stücke angesetzt hatte. Fakt ist, dass der Reichsführer “HITLER” und sein Anhang die Vorstellung zwei mal besuchten und dem Hauptdarsteller “Eugen Rex” begeistert Beifall zollten (Presse-Notiz). Vermutlich aber nicht allein aus Begeisterung sondern mit Vorsatz! Private Theater- Investoren waren willkommen – und mussten bei der Stange gehalten werden.  Solange Privat-Theater keine Subventionen forderten, ihr Spielplan der offiziellen KDF-Politik nicht entgegenstand, was gelegentlich einem Drahtseilakt gleichkam, stand die Ampel auf “grün”. Die eingeschworene Künstler-Gemeinschaft war anfangs dem NS-Regime gegenüber recht naiv und politisch meist unambitioniert. “Brigitte MIRA”, die Partnerin von Walter JANKUHN in der Operette MUCKI am MELLINI, beschrieb den Zustand in ihrer Biographie folgendermaßen: “Während einer der Reden mussten wir plötzlich die Hand zum Hitlergruß erheben. Wir wussten nicht, wie wir das machen sollten und kicherten wie Schulkinder, dass man uns schon böse Blicke zuwarf!” Alle Künstler wollten vorrangig ihren Beruf ausüben dürfen – und spielten für das Publikum und nicht für die Politik! Ein festes Engagement an einem etablierten Theater bot Kunstschaffenden noch einen gewissen Schutz vor NS- Provokationen. Aber 1932 beschloss der Preußische Landtag zu allem Übel, dass nur arische Künstler eine Vertragsverlängerung erhalten durften, was für die Theater schmerzhaft war. Hitler versuchte dagegen geschickt sein Proleten-Image durch Anbiederung an die Kunstwelt aufzumöbeln. Am Überzeugendsten gelang ihm dies mit dem bayrischen Richard WAGNER-Clan, um den sich letztlich alle patriotisch/national orientierten Künstlerkräfte konzentrierten – mit erschreckendem Erfolg!

G. Gründgens wollte “Paul WEGNER” damals eine Generalintendanz anbieten: Der betonte, seine Arbeit nur machen zu können, wenn er nicht mit “Heil Hitler” grüßen müsse! “WEGNER” nannte”JANKUHN” liebevoll – “meinen wunderbar meschuggenen Direktor” (> siehe Foto Widmung). Noch machte man sich über “Hitler” – im Land der Dichter und Denker – lustig! Man war überzeugt, dass der NS-Spuk nicht von langer Dauer sein kann.

 

 

 

 

 

 

In der Operette “Schwarze Husaren hat Theaterdirektor JANKUHN selber die tragende Rolle, des “Rittmeisters Georg von Hochburg” übernommen. An seiner Seite die betörende “Erika FALGAR” > siehe Foto, mit Partner Walter JANKUHN. Ein begeistern-der Erfolg – sowohl als Darsteller als auch in der seiner Doppelfunktion – und  auch alle weiteren Protagonisten des Theater-Teams.

Die große Chance” war eine weiteres Lustspiel von “Alfred Möller + Hans Lorenz”,
das im Dez. 1933 unter der Direktion von “Walter JANKUHN” erfolgreich auf die Bühne gebracht wurde, währenddessen er parallel als Gast-Tenor im Reich unterwegs war!
Als Regisseur und Darsteller agierte”Alfred Haase” mit der Hauptdarstellerin “Erika von Thellmann” (als Helga), sowie den Schauspielern “Olga Limburg + Edgar Kanisch” u.v.m. Die Presse schrieb nach der Premiere: “Sicherlich wird dies ein ähnlicher Erfolg der Direktion – wie das folkloristische Stück “Krach um Jolanthe” – das schon über 200 mal gespielt wurde.”

Während der Spielzeit 1934 griffen die Machtbefugnisse der Nazis weiter um sich und die  wirtschaftlichen als auch künstlerischen Perspektiven für unabhängige Theater-macher zusehens enger. Da “Walter JANKUHN” bereits ein kleines Vermögen in seine Theater-Ambitionen investiert hatte (auch beim Apollo Theater), wollte er weitergehende Einmischungen in seine Direktionsarbeit nicht hinnehmen und konnte sich auch keine weiteren finanziellen Eskapaden mehr leisten. So kam es in der Spielzeit 1934 nach nicht mal 2 Jahren zur endgülti-
gen Aufkündigung des Experiments “Theater-Direktor” am Nollenndorf-Theater. Am 15. Mai 1934 wurde ein neues Theatergesetz verabschiedet, welches auch private Theater strenger kontrollieren sollte.
Dennoch konnte Walter JANKUHN wichtige Erfahrungen sammeln, die er später als Intendant und Regisseur in Innsbruck am Landestheater und im Nachkriegs-Berlin am Phulman Theater einbringen durfte. Geld konnte man zu jener Zeit (Inflation)  beim Film genauso gut verlieren wie beim Theater – bestätigte “Jankuhn” (als Filmproduzent von > Stürmisch die Nacht) ! Fakt bleibt, nach

dem 2. Weltkrieg war sein Vermögen wie gewonnen so zerronnen – trotz prächtiger Publikumserfolge von zum Teil historischer Bedeutung – wie z. B. auch die Uraufführung der Operettenproduktion “CLIVIA” am Nollendorf, die ununterbrochen von 1933/1934 in Berlin und in der Folge in gleicher Besetzung mit “Lilli Claus” + “Walter Jankuhn” am Schuhmann-Theater in Frankfurt/M. und mehreren Bühnen im ganzen Reich aufgeführt wurde ( > Kapitel CLIVIA).

Sicherlich gab es in Deutschland nach Wirtschaftskrise, Versailles-Unrecht und Politik-Frust nach 1933 viele  gebeutelte Menschen die nach einem patriotischen Führer gerufen  haben, der Ordnung schaffen soll. Den wenigsten war aber anfangs bewusst, dass sie mit Hitler einem rigorosen hasserfüllten Diktator und Rassisten aufgesessen sind – wie es aber die Sozialisten und Kommunisten vorhergesagt haben. Die Unterhaltungskünstler – auch arische – die  sich übers NS-Regime lustig machten – hatten bald nichts mehr zu lachen (wie z. B. die Kollegen Max HANSEN + Rober DORSAY, Werner FINK u.v.m.). Und auch das traditionsbeladene Nollendorf-Theater hätte sich eine besser Zukunft gewünscht!

Sich über das NS-Regime lustig machen – durfte man damals nur noch im Ausland. Den Nerv der Zeit hat 1940 der bis dahin standhaft überzeugte “Stummfilm-Mime “Charlie CHAPLIN” mit dem wichtigsten “speach” ever in seinem 1. Tonfilm: The great Dictator geliefert – ausgerechnet zu Richard WAGNERs Lohengrin-Overtüre ! Als exemplarische Beispiel jener Zeit – für alle Zeit – dazu als Hommage jenen Filmausschnitt, der sicher vielen deutschen Künstlern hinter vorgehaltener Hand aus der Seele gesprochen hat: (> youtube-link):

 

 

 

 

 

 

 

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