Im weissen Rössl /30

Die Uraufführung des “Weissen Rössl 1930” in Berlin am 8. November im Großen Schauspielhaus – war der größte Publikumserfolg den eine Operette “jemals” in Deutschland erlebt hat! Eine denkwürdige Premiere und 416 mal ein ausverkauftes Haus – ununterbrochen 18 Monate lang! Für das Singspiel in drei Akten von BENATZKY, hatte CHARELL selbst am Libretto mitgewirkt und auch sonst alles aufge-boten was Rang und Namen hatte: die musikalischen Einlagen und Lieder stammen von Robert Gilbert und Robert Stolz, sowie Bruno Granichstaedten. Diese Eigenmächtigkeiten hat sich CHARELL schlichtweg erkauft, das mußten die Komponisten/Autoren einfach ertragen können. (Story: Blumenthal + Kadelburg).

Walter Jankuhn

Mit von der Partie –  in der Rolle des Anwalts “Dr. Siedler” war der Kammersänger “Walter JANKUHN” – er sang die Hauptschlager” :….”Die ganze Welt ist himmelblau undMein Liebeslied muss ein Walzer sein und profitierte von Charell’s Änderungswünschen, da er nachträglich diese zwei “Robert STOLZ” Titel einfügen ließ! Die Schallplatten-Abverkäufe bewiesen, was die Presse und die Fachwelt (> Kevin Clarke /Operetten Research Inst.) frei zitiert folgendermaßen  auf den Punkt brachten:

 

“Walter JANKUHN” ( 1. Dr. Siedler)  ist der einzige “Sänger” in diesem Operetten Ensemble”. Er hob sich wohltuend von den Rollenschauspielern ohne stimmlich musikalische Ausbildung ab.  Seine Kollegen der leichten Muse, pflegten mehr die Posse und den Sprechgesang und überzeugten mit Witz, etwas Schmalz oder Frechheit bzw. Frivolität ( je nach Alter, Statur, Ausstrahlung und Geschlecht). Sie bedienten gekonnt beliebte Rollenklischees, wie es auch beim Theater und Film gefragt ist. Spektakulärer Witz und Originalität war für die Stars dieser Aufführung Pflicht und Herausforderung zugleich. Das bewiesen die Protagonisten im “Weissen Rössl” in jeder Vorstellung erneut: “Paul Hörbiger (Kaiser Franz Josef), Camilla Spira (Rösselwirtin Josepha), Max Hansen (Kellner Leopold), Willy Schäffers, Marianne Winkelstein, Sigfried Arno (Sigismund), Otto Wallburg, Laura Desni  u.v.m.
(> Titelblatt oben mit W. Jankuhn – Mittel-Balkon 2. v. links) …FOTO unten       : >Willy Schäffers> Sigfried Arno> Max Hansen> Camilla Spira.

Der frauenbetörende,  spielfreudige “Walter Jankuhn” war nicht nur wegen seiner herausragenden gesanglichen Qualitäten….” der Operetten-Tenor der Stunde”, sondern trotz dieser Eigenschaft ! Als Spiel-Tenor unterschied sich sowohl von der Optik, vor allem aber von der Gestik + Mimik von den Gesangstars der Oper mit ihren eher starren Auftritten mit oft fülliger Figur und weichem Gesang, der nicht recht zur lebhaften Operette passt. Deshalb wagten die großen Opernstars jener Zeit wie Rossvenge, Arno Schmitt und sogar der einzigartige Richard Tauber nur gelegentliche Ausflüge auf die Operetten-Bühnen.                                                             .  (< Abb. = Walter Jankuhn singt die  Hauptschlager nur auf ODEON).

  • Auch nach seinem eigenen Verständnis war Walter Jankuhn in erster Linie einer mit seiner Stimme professionell arbeitender Künstler. Seine Spielfreude und Publikumspräsenz entsprangen eher seinem Talent, als vielmehr einstudierten Rollenmustern. Walter Jankuhn verstand sich selbst primär als Sänger denn als Schauspieler – er blieb authentisch und natürlich. Für die damalige Zeit, wo Strammstehen angesagt war – wohl eher die erfrischend unkomplizierte Ausnahme.

Der von dem homosexuellen CHARELL inszenierte Schwank vom Hotel am Wolfgangsee (Weisse Rössl), war kein biederes Alpenmärchen mit dem Kellner Leopold der sich in seine herrische Chefin verliebt. Wer die Aufführung erlebt hat und die Aufnahmen von 1930 gehört hat, vergißt schnell den Einheitsbrei heutiger Rössl-Herrlichkeit mit ihrer verblödelten Herzschmerz Folklore und den Publikums-Umarmungen eines; Jopi Heesters, der Rothenberger oder Peter Alexander ( um die Kritikerin “Brigitte Tautscher” zu zitieren). Das “Weisse Rössl” von 1930 war eine ultimativ schwule Tresh Operette, bunt. ironisch, voller knackiger Jungs in Lederhose und prallen Dirndeln.  Also ein total verjüngtes, leichtlebig witziges Revuetheater mit unzweideutigen Anspielungen! Deshalb wurde es auch: “wegen despektierlichem Umgang mit Folklore” von den NAZIS als entartet gebrandmarkt – was dem weltweiten Erfolg dieser Operette auch international keinen Abbruch tat – ganz im Gegenteil !! Die Ausstattung der Operette von Prof. Ernst Stern muss gigantisch gewesen sein: Der Aufbau der Landschaftskulisse von St. Wolfgang am See in Österreich bis in die Alpen – mit dem Publikum als Talkessel – einem Bus der auf die Bühne rollt, ein See mit Wasserfall und echtem Regen, das meckern der Ziegen und waschechte Schuhplattler, Jodler und Watschentänzer. ….eine überwältigende Kulisse, wie die BZ schrieb.

Das WEISSE RÖSSL hatte 1931 in London, 1932 in Paris und 1936 in New York Premiere und wurde vielfach verfilmt – auch nach dem 2. Weltkrieg – vom Deutschland Rückkehrer CHARELL mit “Joh. HEESTERS” 1952 und dann mit erheblichen Änderungen, aber sehr erfolgreich 1960 mit “Peter ALEXANDER” und “Maria HELLWIG”. – Auch “Max RAABE” mit seiner besonderen Art, hat die Rolle des Dr. Siedler 1994 neu interpretiert und singt die alten Schlager auch heute äußerst erfolgreich (die damals zur Berliner Premiere u.a. “Walter Jankuhn” gesungen hat).

Nachfolgend ein Youtube Video zu der Aufführung von 1930 u.a. mit Ausschnitten von Ensemble sowie Camilla Spira und Max Hansen:

Zur Uraufführung gibts eine CD Compilation u.a. mit Titeln von   . Walter Jankuhn (Die ganze Welt ist himmelblau) – und den anderen Interpreten.

Bei MUSICLOAD ©, AMAZON © – kann man sogar einige Titel mit Walter Jankuhn zur Probe hören !

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