Familie 1939-53

Karin (geb. Ahrens) + Walter Jankuhn

Die Spontanehe von Kammersänger Walter JANKUHN mit der Wiener Sängerin Mizzi DELORM zu Beginn seiner Karriere (20er Jahre)  – auf der fast 5-jährigen Amerika-Tournee, hielt zurück in Deutschland nicht dauerhaft an. Es folgte eine ernsthafte Liaison mit der Schauspielerin Hilde HILDEBRAND in Berlin Anfang der 30er Jahre – die aber längerfristig zu nichts führte und nach  lebhaften Meinungsverschiedenheiten aufgegeben wurde. Bis “Walter JANKUHN” dann Ende der 30er, die damals noch junge Revuetänzerin Tutti AHRENS in seinem Berufsumfeld kennen und lieben lernte. 1939 wurde in Österreich die Ehe geschlossen, welche bis zu seinem Tod 1953 in Berlin anhielt.

“Karin Ahrens”, genannt  Tutti, war eine echte Berliner Ballett-Ratte aus der Schule von “Sabine RESS” (erstes Fernsehballett). Sie war bei vielen Operetten- und Film-Produktionen, auch gemeinsam mit Kammersänger Walter Jankuhn und dem CARISE Ballett im In- und Ausland auf Tournee.

 

 

 

 

 

Trotz des Altersunterschieds von 24 Jahren und den nahenden Kriegsumständen des 2. Weltkrieges, entschloss sich das Pärchen nach einigen Jahren gemeinsamer Prüfung 1939 den Bund der Ehe einzugehen. Man verband dieses Vorhaben quasi mit einer Flucht aus Berlin nach Innsbruck, wo nicht nur die romantische Hochzeit stattfand, sondern auch ein langfristiges Engagement von “Walter Jankuhn” an das Tiroler Landestheater begann – sowohl als 1. Tenor als auch damit betraut, klassische Inszenierungen wie “Rigoletto” und “Paganini” zu gestalten (in intensiver Zusammenarbeit mit dem bekannten Österreichischen Dirigent + Komponisten sowie späteren Freund der Familie: “M. Pflugmacher”.

Film / Tutti (ganz links) + (? ?)

FILM : Grethe Weiser / Tutti (re.)

Die österreichische Idylle etwas abseits von Kriegs- drohungen der NAZIS – wurde immer wieder unterbrochen durch “Tanz-Tourneen” von Frau Jankuhn (Tutti) in Berlin, oder beim Film mit prominenten Protagonisten wie “Marika Rökk, Grethe Weiser und Lilian Harvey” etc., oder die Tanz-Tournee auf der wochenlangen Jungfernfahrt des Passagierschiffs “Wilhelm GUSTLOFF” – welches durch seinen “Untergang” einige Jahre später spektakuläre Berühmtheit erlangen sollte (>extra Kapitel).

Als das Regime und der 2. Weltkrieg viele deutsche Privattheater zum Konkurs zwang bzw. die Theater ab 1944 geschlossen wurden und es so gut wie keine Auftrittsmöglich-keiten mehr gab, blieb den Künstlern kaum eine andere Wahl: sie mussten gute Mine zum bösen Spiel machen und auch unbequeme KDF-Angebote nutzen. Schließlich waren die Soldaten an der Front weitaus schlimmer dran – und hatten buchstäblich nichts zu lachen!  Deshalb wohl sind Soldaten natürlich das dankbarste Publikum überhaupt. Das allein war Grund genug mit dem Theater an die deutsche Front auf Tournee zu gehen (Norwegen-Russland etc. per Bus + Schiff) . Wohl eine der wenigen Möglichkeiten überhaupt noch Theater zu spielen. Natürlich unter Regie der herrschenden “Kraft durch Freude”-Administration des “Deutschen Reiches” (vergl. Kapitel KDF) – mit denen im “Reich” verbliebenen deutschen Künstlern.

Walter Jankuhn + Junior / Berlin-Schöneberg 1948

Während der Kriegswirren, als nichts mehr ging, entfloh die Familie JANKUHN schließlich auf’s Land nach Krausnick nahe Berlin. Der einzige Lichtblick war anschließend in Berlin zu allem Überfluss kurz vor Kriegsende 1944 die Geburt des Juniors “Walter(chen)”,  Rufname: “Schnappel”! Ein völlig neues, wohl unerwartetes – aber mit großer Freunde empfangenes Programm, das erstmal den Krieg und dessen schlimme Folgen und Verluste zur Nebensache machte.

 

 

 

 

 

 

Die Nachkriegszeit in Berlin-Schöneberg war nicht leicht für die Familie aber ein tolles Abenteuer für den Junior. Wenn nicht 1948/49  der Junior wegen infizierter Frischmilch vom Bauern fast an “Halsdrüsen-TBC (Lymphen)” verstoben wäre! Zum Glück war gerade Penicillin erfunden worden. Nach Einwilligung der Eltern wurde er “auf eigene Gefahr” 2 x operiert + nach 1/2 Jahr Strahlentherapie sowie fast einem Jahr Reha-Aufentahlt auf der Insel “Wyk of Föhr” letztlich erfolgreich entlassen. Der Junior ist jedenfalls vollständig genesen, hatte allerdings in seiner Jugend erhöhte Risiken ( wie Impf-Verbot, Verbot direkter Sonneneinstrahlung und die Einschulung verschob sich um 1 Jahr etc). Aber im Nachkriegs-Deutschland konnte man wenigstens wieder in Urlaub fahren, allerdings nicht gleich nach Italien oder Mallorca – sondern erstmal durch die Zone (DDR) nach WEST-Deutschland (ab 1961 mit BERLINER-Mauer),  z. B. zu den Großeltern nach “Schlagstein” (Rhld.). Das sah damals, Ende der 40-iger Jahre noch schlimm aus (>Foto) – war aber der ideale Kinderspielplatz für ein Berliner Stadtkind:

In dieser eigentlich trostlosen – aber zukunftsträchtigen Nachkriegszeit komponierte “Walter Jankuhn” – das JANKUHN Lied + schrieb für seinen Junior am 28.08.1949 folgendes Gedicht:

“Ich heiße Jankuhn Walter,  genauso wie mein Alter. Im Krieg bin ich geboren und Bomben sausten mir um meine kleinen Ohren. Mir war das damals aber ganz egal, ich kenne ja noch keine Menschenqual! Ich find das Dasein ja so herrlich und schön! Ja – Ja – Das können sie nicht verstehen? Haben Sie denn nicht ne Mutti und nen Pappi – so wie ich? Nee? “Na det versteh ick nich“. Ich bin ja schonmal wirklich ungezogen, dann krieg ich Haue auf den Hosenboden. Ich schreie aber vorher mächtig schon O’weh und Oh, dann sind die Schläge nicht so mächtig auf den Po! Ich brülle laut, bin ja noch klein – “ich will ja immer immer lieb und artig sein!” Ich kann schon tanzen, boxen, Fußball spielen und singen, im Wasser schwimmen und auch springen, nur englisch spooken muss ich jetzt noch lernen, die Sprache braucht man immer, für Fremde und in der Ferne – denn wenn ich erstmal groß bin und bleib stumm – das wäre zu dumm!!                                   (Für meinen Quatschkopp – Dein Pappi)”

Leider verstarb Kammersänger “Walter Jankuhn” nach einer schweren Herzkrankheit bereits 1953 – wenige Jahre später siedelte die Restfamilie, also “Karin Jankuhn” mit ihrem Junior zur Verwandschaft nach NRW um. Wieder einige Jahre später heiratete die verwitwete Frau “Jankuhn” einen Witwer mit drei fast erwachsenen Kindern, um einen gemeinsamen Haushalt zu versorgen (heute nennt man sowas Patchwork-Familie). 16 Jahre später war Patchwork-Mutter “Karin” (Jankuhn) wieder verwitwet und stand jetzt mit dem herangewachsenen Jankuhn junior nochmal alleine da. 2004 verstarb sie im Alter von 92 Jahren nach kurzer Krankheit. Jankuhn junior dagegen wurde schnell flügge, studierte BWL, volontierte in der Schweiz und arbeitete später in der Marketing- und Medienbranche. Davon einige Jahre im Musikgeschäft beim Marktführer CBS © Schallplatten in Frankfurt/M. als Marketing-Manager für Special Product Events. Dort strickte er Kampagnen + compilierte LP’s mit namenhaften Interpreten für die Markenwerbung intern. Top-Marken wie: Pepsi ©, Commerzbank ©, 4711 ©, Wella ©, Martini © etc. Eine sehr effektive, wenn auch diffizile Form des “Image-Transfers” mit berühmten Musik-Ikonen der Pop Geschichte wie z. B.: Depeche Mode, Santana, The Jacksons bis hin zu den Stars der Deutschen Welle: Nena, Nina Hagen und last not least auch Klassik z. B. mit Peter Hofmann und Deborah Sasson für die BERLINER Bank © (+ das Kinderhilfswerk). Lag dem Junior die Musik also doch im Blut oder vielleicht in den Genen? (Foto Junior ca. 1950) > CBS ©Werbung 70/80iger:

Als 1954 die Restfamilie von Walter Jankuhn (sen.) von BERLIN Abschied nahm und in den sog. Westen ging, kostete das Überwindung! Die Berliner Schnauze von “Marlene Dietrich” hat es in ihrem Song “Das ist Berlin” auf den Punkt gebracht, wie sich sowas anfühlt:

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