Marquise von Pompadour /30

Vier Jahre nach dem durchschlagenden Erfolg der CHARELL-Operetteninszenierung von Leo FALL’s “Madame Pompadour”/1927 mit “Fritzi Massary” und “Walter Jankuhn” in den Hauptrollen entstand in einer Deutsch-Amerikanischen Co-Produktion der Tonfilm “Marquise von Pompadour”.

Filmischer Vorreiter war 1919 Ernst LUBITSCH mit seinem ersten international erfolgreichen deutschen Stummfilm “Madame Dubarry” mit dem genialen “Emil JANNINGS” und “Pola NEGRI” in den Hauptrollen – auch eine Sensation am Broadway!

Diese erste Tonfilm-Operette zum Thema  Marquise von Pompadour/193o ist aber weder ein Spielfilm noch die “Leo Fall”- Operette, sondern von “Willi Wolff” und “Hans Rameau” erdacht mit Text von “Fritz Rotter”und mit der Musik von “Eduard Künnecke”, “Rudolf Nelson” und “Robert Stolz” in Szene gesetzt (DSL Deutsches Lichtspiel Syndikat). “Jankuhn” kann man fast als Pionier der Tonfilm-Operette bezeichnen, hatte er doch 1930 auch noch seine eigene Produktion “Stürmisch die Nacht” in einem konkurrierenden Ton-Verfahren ausprobiert und in die Kinos gebracht (> Stürmisch die Nacht).

Bei der Besetzung der Filmrollen konnte “Walter JANKUHN” noch vom Image-Transfer und der Erfahrung aus der Operettenproduktion profitieren. “Walter JANKUHN” übernahm die Rolle des Gaston de Meville, neben den beiden Operettenstars “Anny AHLERS” (Marquise) und “Irene AMBRUS” (Vorleserin Madeleine Biron). In der Rolle des “König Ludwigs XV” wirkte der bekannte Schauspieler “Kurt GERRON”. Weitere prominente Schauspieler waren “Wilhelm Bendow, Max Ehrlich, Ida Wüst ” u.v.m. Intention der Filmemacher war es einen Musikfilm und keinen History-Spielfilm zu drehen – dafür spricht das Engagement der Gesangs-Stars und die pompöse Revueausstattung des Films!! Das Publikum war von dieser Umsetzung  angetan und spendete dem Film reichlich Beifall. (Nebenbermerkung: Die hübsche Anny AHLERS ist schon 2 Jahre später,  mit 26 Jahren mysteriös durch einen Sturz vom Balkon in London um´s Leben gekommen – bei ihr wurde TBC festgestellt.)

Technisch bemerkenswert ist – dieser Tonfilm lief bereits im TOBIS Tonverfahren – und wurde mit englischen Untertiteln auch in USA vertrieben. Die “NEW YORK TIMES/Hall Erickson bemerkte dazu:

“Anny AHLERS” stars as the notorious 18th century courtesan Madame Pompadour, here “Germanized” as the Marquise von Pompadour. Once she’s presented at the Court of Versailles, Pompadour twists French King Louis VX (Kurt Gerron) around her little finger, all the while setting fashion standards for the aristokracy. She compromises her status with the king when she falls in love with Gaston de Meville “Walter JANKUHN”, the mischievous composer of anti-royalist poems. The typically Germanic emphasis on the corruption and debauchery of the French nobility tends to weight down the sparkling musical score. Conversely, the stagey direction of Dr. Willi Wolff actually adds to the film’s charm.

Siehe Pressetext (mit Namens-Fehler! “Willi” statt Walter Jankuhn):

Ein Kritiker vom “Börsen Courier” bemängelte dagegen: zuviel Pomp, zuviel gefilmtes Theater, historisch ungenau! “Anny AHLERS” reiche nicht ans Format einer “Massary” … und “Walter JANKUHN” war ihm in der männlichen Hauptrolle zu sehr typischer Operettenheld und weniger Filmdarsteller. (Allerdings war das genau seine Rolle: Operettenheld)! Die Mehr-zahl der Presse-Leute zeigte dagegen mehr Sympathie für die Film-Operette in der Form des Singspiels.

Mit Sicherheit wurde der Film nicht für Kritiker + Historiker gemacht, sondern für ein breites musik-affines Operetten-Publikum – aber auch, um schnell Kasse zu machen – gleichzeitig in Deutschland + den USA. Für die Amerikaner waren die deutschen Interpreten natürlich absolutes Neuland (mit Untertiteln). Deshalb ging die Rechnung wohl auch nicht überall ganz auf – aber in der Pionierzeit des Tonfilms traten auch die Widersprüchlichkeiten zwischen Kapitalinteressen und Künstlern krasser zutage. Interessant, was die THE NEW YORK TIMES (H.T.S) zu der Filmvorstellung “6 Jahre” nach Erstveröffentlichung dieses Pionier-Tonfilms mit engl. Untertiteln meinte: “Febr. 3. 1936 – at the 86 Street Casino: If “Die Marquise von Pompadour” had been rushed over here from Berlin five years ago when it first was produced, it might have passed as a pretty fair sample of how German film makers were adapting themselves to the new-angled “talkies”. As it is, the current importation at the 86 Street Casino Th., despite having been remade and strengthened by the sub-stitution of a number of excellent Teuton actors for some of those in the original cast, is merely a photo-graphed operetta, with most of the music omitted. The players do the best they can with the material, but her handi-capped by  the director`s occasional attempts to be serious with the picture that should have adherd to a comedy note throughout. Some of the scenes in the Franch court of the middle of the 18th century are interesting and Anny Ahlers is an animated and attractive Pompadour.

 

 

 

 

 

 

FOTO: links und rechts “Kurt Gerron” als König Ludwig.

Die reale Geschichte der bürgerlichen Mätresse und Sexbombe am Hofe König Ludwig XV. ist jedenfalls zeitlos aktuell. Kein Wunder also das dieses Thema 1934 wieder und auch in den Folgejahren immer wieder neu verfilmt wurde. Von diesem 1930 in Deutschland gedrehten Pompadour-Operetten-Film, ist aber bisher keine Film-Kopie mehr gefunden worden – HELP ?!

Wie aktuell das Thema auch heutzutage ist, zeigt der Trailer der Neuverfilmung von 2006 “Marie Antoinette”:

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